Deformierter Mensch

Von Alfred Huber

Eine Gehirn- und Seelenwäsche. Was sonst? Schließlich will man kaufmännischer Direktor eines multinationalen Konzerns werden. Da heißt es durchhalten, wenn man als Bewerber in der engeren Wahl ist, und einen die Psychologen der Personalabteilung trickreich auseinandernehmen,

Im Jahr 1972 schrieb Dieter Duhm ein Buch über die „Angst im Kapitalismus“ und behandelte darin die zwischenmenschlichen Konflikte einer Warengesellschaft, die mit ihren oft irrationalen Verhaltensvorschriften reale Ängste in neurotische Ängste verwandeln kann. Das Stück „Die Grönholm-Methode“ des 1964 geborenen Schriftstellers Jordi Galceran, mit dem das „Theater im Trafohaus“ bei der Mannheimer Theaterakademie (ThaM) eine gelungene Premiere feierte, erscheint wie eine Fortsetzung dessen, was Duhm über die nach Leistung geregelten Beziehungen der Menschen untereinander geschrieben hat.

Vier Bewerber sind übrig geblieben, drei Männer, eine Frau. Nach und nach treffen sie ein in dem karg möblierten Raum, um die letzten Testhürden auf dem Weg zum attraktiven Ziel zu nehmen. Was nun in der erfreulich dichten, genauen und einfühlsamen Regie Rainer Eschers beginnt, ist leicht zu erraten, zumal einer der Anwesenden offenbar die Personalabteilung vertritt. Nun kühlt die Atmosphäre spürbar ab, Misstrauen ist angesagt. Und rasch erfährt man, dass in jedem Menschen ein Despot steckt, der seine Mitbürger, wenn es seinem Vorteil dient, beleidigt und demütigt. Elisabeth Auer spielt eine wunderbar sachliche, souverän agierende Mercedes Degás; Dirk Mühlbach zeigt einen sarkastischen Fernando Porta, den das Leben so sehr gekränkt hat, dass er wohl am liebsten die ganze Welt verderben würde.

Trickreiche Psychologen

Er ist der einzig wahre Kandidat unter den Vieren. Denn auch die beiden anderen Bewerber, Enrique Font, von Mathias Wendel mit schön unterkühlter Distanz gespielt, und Carlos Bueno, dem Sascha Koal die undurchschaubare Freundlichkeit eines stets Verständigen verleiht, sind, wie ihre Kollegin Degás, hauseigene Psychologen. Der Mensch, so erfahren wir am Ende ergriffen, ist kein Mensch, sondern nur eine Handelsware. Über sie entscheidet allein die Effizienz.

Weitere Aufführung am 11. Januar in der Theaterakademie Mannheim (Holzbauerstr. 6-8)

Quelle: Mannheimer Morgen
21. Dezember 2007

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